Einstieg
1. Die vorliegende Internet-Präsentation geht der Frage nach: Wo hat der
Glaube in unserem Land seinen Ausgangspunkt genommen? Wann und auf welchen
Wegen ist das Christentum gleich einem Lauffeuer zu uns gekommen? Welche
Stationen markieren diesen Weg? Im Besonderen: Was verbindet heute die
Patriarchenstadt Aquileia an der Adria mit der Basilika Enns St. Laurenz?
Und schließlich: Wer sind die Boten, die die Christusbotschaft von
der Isonzo-Mündung zum Enns-Fluss gebracht haben?

2. Ein wichtiger Zeuge der Christianisierung unseres Landes ist die Stadt
Enns, 20 km östlich der Landeshauptstadt Linz. Sie ist zugleich die
älteste Stadt Österreichs. Nordwestlich davon erstreckt sich
das Gebiet der ehemaligen römischen Stadt LAURIACUM. Bereits im Jahr
212, d.h. tausend Jahre vor Enns erhielt Lauriacum das römische Stadtrecht.
Im zweiten Jahrhundert hat in dieser römischen Stadt das Christentum
Wurzel gefasst: Die Diözese Linz besitzt daher mit Enns-Lorch ein
einzigartiges Monument aus der Frühzeit der jungen Kirche.
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Die
römische Provinz Norikum

3. Zur Zeit der Geburt Jesu gehörte unser Land zur römischen
Provinz Norikum. Der Anschluss erfolgte um das Jahr 15 vor Christus. Die
Donau bildete die Nordgrenze, den sogenannten Limes. Etwa ein halbes Jahrtausend
blieben die beiden Provinzen Binnen- und Ufernorikum bei Rom, hatten Anteil
an der Pax Romana sowie am Wohlstand und an der Kultur des römischen
Reiches.

4. Im imperium romanum erfolgte der Güteraustausch über ein
gut ausgebautes Straßennetz. Eine Hauptverbindung führte dabei
von AQUILEIA auf der Via Julia Augusta über den Pyhrnpass nach Ovilava
(Wels) und Lauriacum. Eine weitere wichtige Handelsstraße verlief
in nordöstlicher Richtung durch das römische Pannonien zur Donau
und stromaufwärts nach Lauriacum. Es ist anzunehmen, dass auf diesem
Weg auch das Christentum in unser Land kam - durch römische Soldaten,
Beamte, Handelstreibende und Kaufleute.
Residenz
und Patriarchenstadt Aquileia

5. Aquileia wurde von den Römern im Jahr 181 v.Chr. als Militärkolonie
an einem Platz gegründet, der Kreuzungspunkt der Völker und
des Handels war. Zunächst war Aquileia ein Bollwerk gegen Einfälle
der "Barbaren", dann aber auch Ausgangspunkt für militärische
Erkundungen und Besetzungen. Immer mehr stieg die Bedeutung der Stadt.
Ihre Glanzzeit erreichte Aquileia unter der Herrschaft des Kaisers Augustus
(63 v.14 n.Chr.). Mit mehr als 200 000 Einwohnern entwickelte sich Aquileia
zu einer der bedeutendsten und reichsten Städte des römischen
Imperiums. Sie war auch Residenz römischer Kaiser, u.a. des Kaisers
Konstantin.
6. Die christliche Botschaft breitete sich in Aquileia mehr oder weniger
im Untergrund aus. Nach den Jahren der geheimen Weitergabe des Glaubens
brachte das Mailänder Reskript des Jahres 313 die große Wende:
Kaiser Konstantin (306-337) gestattete den Christen die freie Religionsausübung.
7. Die bisher in geheimen Gewölberäumen, Häusern und anderen
unauffälligen Orten versammelten Gemeinden konnten nun öffentliche
Versammlungsräume errichten. Die Bischofsstadt Aquileia ist bereits
im Jahr 314 nachweisbar. Die Basilika gehört zu den ersten: sie ist
der hl.Gottesmutter Maria, dem hl. Hermagoras und dem hl. Diakon Fortunatus
geweiht. Sie ist anschauliches Dokument und Zeugnis der Botschaft, die
sie in der Anfangszeit der Kirche zu bezeugen hatte und die auch für
unsere Zeit Geltung besitzt. Plünderungen, Zerstörung durch
Kriege und Erdbeben, Wiederaufbau und Umbauten erfuhr das Gotteshaus im
Laufe seiner Geschichte immer wieder. Auch diesen Spuren kann der Pilger
nachgehen.
Fußbodenmosaik
und Krypta der Fresken
8. Ein österreichisches Archäologenteam hat von 1909 bis 1912
das 750 m2 große, aus dem vierten Jahrhundert stammende, flächenmäßig
größte frühmittelalterliche Mosaik der westlichen Welt,
freigelegt und hat damit auch Anteil an der Freilegung eines Zeugnisses
gemeinsamer Glaubensgeschichte. Das Mosaik beginnt dem Pilger in Bildern
und Symbolen die uns in der Bibel geschenkte Botschaft zu erzählen:
9. Licht und Finsternis begegnen einander in den Gestalten von Hahn und
Schildkröte. Die vier Jahreszeiten verweisen auf die Lebensabschnitte,
die der Christ zu bestehen hat. Der Fisch Ichthys ist ein Code für
das Bekenntnis der Christen. Die einzelnen Buchstaben von Ichthys stehen
für: „Jesus-Christus-Gottes-Sohn-Erlöser“. Die vielen
Fische im Wasser erinnern alle, die den Christusnamen in der Taufe angenommen
haben und auf die Botschaft des Herrn hören, an ihre apostolische
Erwählung und Sendung. Brot und Trauben sind Zeichen der Eucharistie,
Palme und Siegeskranz Lohn und Krönung gelobter Nachfolge.

10. In Aquileia gab es bereits ein Gemeindezentrum und eine feste kirchliche
Struktur: mit Baptisterium und Gemeinderaum für die Feier der Liturgie,
mit Räumen für das Katechumenat und die Armenausspeisung sowie
mit Wohnräumen für den Bischof und für den Diakon. Festzuhalten
ist auch, dass Aquileia bis zum Jahr 1596 nach einem eigenen Ritus die
Liturgie feiern konnte. Davon zeugt ein umfangreicher Schatz an liturgischen
Gesängen und Texten eigener Prägung.
11. Nach alter Überlieferung sieht Aquileia im hl. Markus und in
dessen Schüler Hermagoras seine Gründer: Hermagoras folgte Markus
nach Rom. In Rom taufte Petrus Hermagoras, weihte ihn zum Bischof und
beauftragte ihn, das Werk des Markus in Aquileia fortzusetzen. Diese Überlieferung
bzw. Legende hat ihren Wert weniger in den tatsächlich greifbaren
Zeit- und Ortsangaben. Vielmehr wird damit die Herkunft und Echtheit der
verkündeten Botschaft in Aquileia ausgedrückt: Im ältesten,
von Markus griechisch verfassten Evangelium, ist mit dem Wort Jesu auch
der Evangelist Markus als Verfasser des Wortes in Aquileia und an allen
anderen Orten der Erde gegenwärtig. Und diese Botschaft war neu,
anders, bisher ungehört: nicht wie die Botschaft der römischen
Götter an die Menschen und für die Menschen. Es war die Botschaft
von einem menschen-freundlichen Gott.
12. Wer in der Basilika von Aquileia das Fußbodenmosaik auf sich
wirken lässt, erfährt auch heute noch sich selbst als eingefügtes
Steinchen einer langen Glaubensgeschichte: vermag sich einzureihen in
die Lichterprozession der Taufwerber (Katechumenen) vom Baptisterium zum
Ort der Eucharistie; vermag schließlich den Glaubensweg von Aquileia
nach Lauriacum nachzugehen.
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Der
heilige Florian, Glaubenszeuge und Märtyrer von Lorch
13. Im Jahr 304, neun Jahre vor dem Mailänder Reskript, das den
Christen im Römischen Reich eine freie Religionsausübung zusicherte,
wurde eine hohe Persönlichkeit der römischen Verwaltung vor
einer großen Zuschauermenge mit einem umgehängten Stein von
der Enns-Brücke in den Ennsfluss gestürzt.
14. Sein Name Florianus
Amtstitel Amtsvorsteher des römischen Statthalters Aquilinius
Amtssitze Ovilava (Wels) und Lauriacum
Im Ruhestand Cetium (St. Pölten)
Vergehen Christuszeugnis. Weigerung, den römischen Göttern zu
opfern
Richter Statthalter Aquilinus
Urteil Todessturz in den Ennsfluss
Vollstreckung Vor einer großen Zuschauermenge
Zeit Diokletianische Verfolgung 303-305
Jahr und Tag 4. Mai 304
15. Es ist anzunehmen, dass die junge Christengemeinde von Lauriacum
alles unternahm, um zumindest eine bleibende Gedächtnisstätte
für Florian und seine hingerichteten Mitchristen zu errichten. Rasch
hatte sich eine Verehrung an den Gräbern und Gedächtnisstätten
entwickelt. Die zum heiligen Florian pilgerten, kamen zunächst wohl
aus dem Umfeld der Römerstadt Lauriacum.

16. In Passionsschriften, Martyrologien und Legenden, deren Quellen bis
in das 4. und 5. Jahrhundert zurückreichen, wurden die Ereignisse
für die kommenden Generationen festgehalten. Das Stift St. Florian
bewahrt bis heute in seinem gewaltigen Bau und in der Feier der Liturgie
sehr eindrucksvoll das Geschehen auf der Ennsbrücke.

17. Das standhafte Glaubenszeugnis bis in den Tod gaben Christen bis
in unsere Zeit Kraft und Standfestigkeit. Der hl. Florian ist Patron des
Chorherren-Stiftes St.Florian, ist erster Patron des Bistums Linz, ab
2004 Landespatron von Oberösterreich (neben dem hl. Leopold). Er
wird als Schutzpatron nicht nur in Österreich, sondern auch im benachbarten
Bayern, in Böhmen und Mähren, in der Slowakei und in Polen,
in Ungarn und Slowenien, in Kroatien, Norditalien und in anderen Ländern
verehrt. Viele Kirchen und Kapellen, unzählige Statuen und Votivbilder
halten Florian fest; Feuerwehren, Frauen und Männer ehren den Heiligen
als ihren Schutz- und Namenspatron. Sein Leben und Martyrium hat viele
Künstler angesprochen; man denke etwa an die Bilder von Albrecht
Altdorfer im Stift St. Florian. Die Quellwunder beim Floriani-Brünnlein
nahe der Kirche St. Johann, wenige Minuten von der Stiftskirche entfernt,
erinnern an frühe Wallfahrten. Seit dem Jahr 1980 pilgern wieder
Christen betend und meditierend von der Hinrichtungsstelle auf der Ennsbrücke
zum Augustiner Chorherrenstift nach St. Florian.
Der
heilige Severin - ein weiterer Zeuge des Christentums in Lauriacum
18. Neben Florian ist der heilige Severin Patron der Diözese Linz.
Beide wirkten in der Römerstadt Lauriacum, beide zeichnete ein klarer
Blick für die Zeichen der Zeit und die Bereitschaft aus, ohne Wenn
und Aber nach der Botschaft Jesu zu leben und für Menschen in größter
Bedrängnis einzutreten. Beide gerieten in stürmische Zeiten:
Florian in die Zeit der Diokletianischen Verfolgung der Christen, Severin
150 Jahre später in die Zeit des zusammenbrechenden Römischen
Reiches.

19. Im Gegensatz zu Florian wissen wir von Severin relativ viel. Severin
war ein politisch, karitativ und geistlich wirkender Mensch. Er hatte
sich für ein mönchisches Leben entschieden. In einer Situation,
die ab der Mitte des 5. Jahrhunderts politisch wie militärisch bereits
hoffnungslos war, hielt Severin ein kontemplatives Leben für unverzichtbar.
Anstelle einer höfischen Karriere in Italia folgte er deshalb einem
besonders herausfordernden Ruf. Er entwickelte eine sehr gezielte Tätigkeit,
setzte sich für die Befreiung von Gefangenen ein, hatte ein ausgeprägtes
Gespür für Konfliktlösungen, handelte Bedingungen für
ein Zusammenleben von Romanen und Germanen aus, organisierte notwendig
gewordene Umsiedlungsaktionen und leitete die nötigen Maßnahmen
zur Versorgung der notleidenden Bevölkerung ein. Severin war auch
ein Mann des Gebetes, suchte die Einsamkeit, wich aber nicht den weltlichen
Herausforderungen aus. Sein Hauptsitz war Favianis (Mautern) gegenüber
der Stadt Krems. Von hier aus rief er weitere klösterliche Niederlassungen
ins Leben; sie waren für ihn auch verlässliche Informations-
und Signalstellen an der Donau.

20. Die Kirche hatte in dieser schwierigen Zeit schon Großes erreicht:
Ausbildung und Beauftragung der kirchlichen Dienste waren geregelt, das
missionarische Wirken umfasste ganz entscheidend auch den gesellschaftspolitischen
Bereich. In Lauriacum wirkte Konstantins, der einzige sicher bezeugte
katholische Bischof Ufernorikums. Ebenso wurden Gottesdienste bereits
in Kirchen gefeiert, Gebetszeiten und Vigilien gehalten; Reliquien- und
Heiligenverehrung waren voll ausgebildet. Trotz der politischen Wirren
gab es somit in Norikum ein entfaltetes kirchliches Leben. Die in Ufernorikum
einfallenden Germanen waren christliche Arianer oder Heiden.
21. Vor seinem Tod kündigte Severin den bevorstehenden Abzug der
Römer von Norikum an. Seinen Mönchen gab er Regeln für
das geistliche Leben mit und veranlasste die Mitnahme seines Leichnams.
Er wollte mit den Seinen ziehen. Von den Mitbrüdern verabschiedete
er sich mit dem Friedenskuss, empfing die heilige Kommunion, bekreuzte
sich und stimmte Psalm 150, den großen Lobpreis, an. So starb er
am 8.Jänner 482.
Das
Christentum nach dem Abzug der Römer
22. Der Tod des heiligen Severin musste von der christlichen Bevölkerung
sehr schmerzlich empfunden worden sein. Der Befehl Odoakers zum Abzug
von Norikum im Jahr 488 begrub viele Hoffnungen und stellte die zurückbleibenden
Christen, die seit 313 ihren Glauben in Freiheit bekennen konnten, vor
eine neue Bewährung. Die Landesverteidigung war nach dem Abzug der
Römer und dem Tod Bischofs Konstantins zusammengebrochen. Der Prozess
der neuen Landnahme vollzog sich innerhalb eines halben Jahrhunderts –
jedoch bedeutete er keinen radikalen Bruch mit der Vergangenheit. Vor
allem die im Land verbleibenden Romanen gewährleisteten die Weitergabe
der christlichen Botschaft.
23. Der Abzug der Römer trennte aber die alte Bischofsstadt Lauriacum
von der Patriarchenstadt Aquileia. Binnennorikum wurde dem Bischof von
Aquileia unterstellt. Die Stadt Hermagor erinnert daran. Ein neuer Abschnitt
der Kirchengeschichte begann: die Baiernzeit
Aquileia
wieder im Blickfeld unserer Glaubensgeschichte
24. In den Jahren von 1909-1912 löste die Freilegung der frühmittelalterlichen
Mosaike in der Basilika der Patriarchenstadt Aquileia durch ein österreichisches
Archäologenteam neue Aufmerksamkeit aus. Die Spurensuche nach Zeugen
und Zeugnissen der Frühgeschichte unseres Glaubens nach den beiden
Weltkriegen, die Ausgrabungen von 1960-1966 in der St. Laurenz-Basilika
von Enns-Lorch, Publikationen über die Kirche in Oberösterreich
knüpften das Band zwischen Lauriacum und Aquileia immer enger.

25. Breiteres Interesse für die Frühgeschichte unseres Glaubens
weckten Exkursionen nach Aquileia aus, die ab 1997 in das Lignano-Programm
des Kath. Familienverbandes und der Linzer Kirchenzeitung aufgenommen
wurden.
Im Jahr 1997 wurde auch das "Centrum Latinitatis Europae",
das durch Tagungen und kulturelle Veranstaltungen eine enge Beziehung
zwischen Aquileia und der Diözese Linz aufrecht hält, ins Leben
gerufen
Im Heiligen Jahr 2000 folgte mit Bischof Maximilan Aichern eine Pilgereise
"Zu den Wurzeln unseres Glaubens in die alte Patriarchenstadt Aquileia".
Unsere Glaubensgeschichte schenkt uns die Möglichkeit, aus der Vergangenheit
zu lernen und im Geist der großen Zeugen den Weg in die Zukunft
überzeugender zu gehen (vgl. Dtn 32,7).
Literaturauswahl
KI. Gamber, Sie gaben Zeugnis. Authentische Berichte über
die Märtyrer der Frühzeit, 1982
E. Marckghott, Basilika St.Laurenz. Enns-Lorch, 1988
G. Marini/E. Huber, Die Basilika zu Aquileia, 2000
W. Neumüller OSB, Der heilige Florian und seine "Passio".
Mitteilungen des OÖ. Landesarchivs, H.10, 1971
K. Rehberger, Wallfahrt nach St. Florian. Kulturzeitschrift Oberösterreich,
Heft 1, 1986.
K. Rehberger, Die kirchliche Entwicklung des Mühlviertels. Natur-Kultur-Leben,
Katalog zur OÖ. Landesaussteltung, 1988
K. Rehberger/Chr. Wagner, Augustinerchorherrenstift St.F lorian, 1986
A. Storti, Friaul. Aquileia-Basilika, 1983
J. Wodka, Kirche in Österreich. Wegweiser durch die Geschichte, 1959
I. Zibermayr, Norikum, Bayern und Österreich. Lorch als Hauptstadt
und Einführung des Christentums, 1944
R. Zinnhobler (Herausgeber), Lorch in der Geschichte, 1981
R. Zinnhobler, Kirche in Oberösterreich. Von den Anfängen bis
zur Wende des 1.Jahrtausends, Heft 1,1992
R. Zinnhobler, Severin von Norikum. Ein politischer und geistlicher Mensch.
Festvortrag, Heft 30, Schriftenreihe Forum Severin, 1999
Autor: Franz Schmutz, St. Nikola a. d. Donau
Für das Internet bearbeitet: Stefan Schlager
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