Das Jahr 2004 wird nicht nur als Jahr der europäischen Erweiterung an seine Grenzen in die Geschichte unseres Landes eingehen, sondern auch als das Jahr, in dem das Land Oberösterreich neben dem Hl. Leopold auch den Heiligen Florian zum Landespatron erhoben hat. Es ist das Jahr der 1700sten Wiederkehr des Todestages des Heiligen Florian und damit ein besonderes Jahr für das Stift St. Florian, für die Kirche in Oberösterreich und für die Menschen in unserem Land. Das christliche Abendland, unsere Kultur, ist geprägt von Menschen, wie dem heiligen Florian. Sie haben durch ihr Leben und Wirken in der katholischen Kirche und in der Geschichte ihre Spuren hinterlassen. Die historische Existenz des heiligen Florian ist gesichert. Ihn hat es tatsächlich gegeben, er hat gelebt in einer Zeit gesellschaftlicher und politischer Veränderungen - durch den raschen Wandel damals - unserer Zeit gar nicht so unähnlich. Das Christentum war Ende des 3. Anfang des 4.Jahrhunderts noch relativ jung, hatte aber großen Zulauf. Die Menschen suchten in dieser Zeit Orientierung, geistigen Beistand und eine spirituelle Heimat. Eine Suche, die nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass wir heute in einem ganz anderen Umfeld leben als die Menschen in der Spätantike. Wir Oberösterreicher leben in einem hochmodernen Land. Wirtschaftlicher Erfolg, Leistung, Effizienz sind uns wichtig. Bei vielen wirtschaftlichen Kenndaten liegen wir im Spitzenfeld Europas. Bildungschancen, medizinische Versorgung, soziale Sicherheit werden hervorragend bewertet. Gott sei Dank ist das so und es soll natürlich so bleiben. Wir freuen uns darüber, nichts davon möchten wir missen. Allerdings: Auch das Leben zu Beginn des 21. Jahrhunderts bringt Entwicklungen mit sich, die Menschen oft orientierungslos zurück lassen. Ein sehr markantes Beispiel dafür: Die Kommunikation untereinander wird immer mehr über technische Hilfsmittel abgewickelt, sie beschränkt sich zunehmend auf das Notwendige - zwischenmenschliche Töne kommen zu kurz. Damit führt die fortschreitende Technisierung der Informationsgesellschaft einerseits zu einer Globalisierung, andererseits aber leider oft auch zu Isolierung und Individualisierung des Einzelnen. Zur Klarstellung - es geht nicht um Fortschrittsfeindlichkeit oder gar Ablehnung des Informationszeitalters, es geht um den rechten Umgang damit. Es geht um die richtigen Prioritäten und Proportionen, es geht um echte Lebensqualität und es geht um die an Werten orientierte Gestaltung unseres Lebens. Dazu braucht unsere Gesellschaft Vorbilder. Sie braucht Menschen, die uns vorgelebt haben, wie ein erfülltes Leben gelingen kann. Unsere Gesellschaft braucht Identifikationsfiguren, die den Gemeinsinn fördern und das Zusammenleben stärken. Sie braucht Menschen, die Tugenden verkörpern, denen nachzueifern sich lohnt, Menschen, die einen Beitrag zu Humanisierung der Welt geleistet haben. Der Heilige Florian war ein solcher Mensch. Die Begegnung mit diesem Heiligen und Märtyrer stellt uns einen außergewöhnlichen Menschen vor Augen, - einen, der vitale Tugenden zu seinen Prinzipien gemacht hat. Florian verkörpert den beispielgebenden Typus des solidarisch denkenden, hilfsbereiten, mutig bekennenden und vorangehenden Christen. Solidarität, Zivilcourage und das Eintreten für die Schwachen, das sind zeitlos gültige Werte, in ihrer Verwirklichung liegt ein wesentlicher Beitrag zu einer menschenwürdigeren Gestaltung unserer Welt. Als Kanzleichef des kaiserlichen Statthalters der römischen Provinz Ufernoricum hatte Florian eine hohe Beamtenlaufbahn hinter sich. Er war gesellschaftlich angesehen und wirtschaftlich abgesichert und genoss den wohlverdienten Ruhestand in Cetium beim heutigen St. Pölten. Er hätte Augen und Ohren verschließen können, als er von den Christenverfolgungen in Lauricum/Lorch erfuhr - er hat es nicht getan. Er ist aufgebrochen, wohl in der Absicht, sein Ansehen und seinen Einfluss für seine inhaftierten Freunde einzusetzen. Dabei hat er sich - heute würde man sagen - als Christ geoutet! Dass er sein Leben auf Spiel setzen würde, damit hat er zunächst sicher nicht gerechnet. Aber auch in der größten persönlichen Gefahr ist er zu seiner Überzeugung gestanden und hat seine Ideale und seinen Glauben nicht verraten. Er wurde Opfer der damals geltenden Staatsräson. Eine Staatsräson, die nicht mehr lange Bestand hatte. Schon sieben Jahre später haben sich die Verhältnisse grundlegend geändert. Zunächst wurde das Christentum toleriert, dann staatlich anerkannt. So ist Florian einer der letzten, in einer langen Reihe von unbekannten Märtyrern. Zu denen zählen auch seine 40 Gefährten, deren Gebeine in einem Steinsarg im Altar der Basilika von Lorch ruhen - die Märtyrer von Lorch, deren wir heute ebenfalls respektvoll gedenken. Dass uns gerade sein Name überliefert ist, verweist einerseits auf seine Bedeutung zu Lebzeiten und seinen hohen Rang. Anderseits wird dadurch auch die europäische Dimension seiner Persönlichkeit deutlich. Schriftliche Zeugnisse über das Leben und Sterben des heiligen Florian finden sich in ganz Mitteleuropa, sie sind Beweis für die Universalisierung des Heiligen. Seine Verehrung ist grenzüberschreitend, damals wie heute. Sie kann vielleicht auch bewirken, dass nicht nur die Zoll- und Wirtschaftsgrenzen im geeinten Europa fallen, sondern auch beitragen, dass die Schranken in den Köpfen und Herzen mancher Menschen, die heute noch existieren, an Bedeutung verlieren! Florian war ein Mann der Tat. Mit seiner Ernennung zum Landespatron wird eine couragierter, solidarisch denkender und hilfsbereiter Mensch in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gestellt. Sein Handeln motiviert - nicht nur die Feuerwehren, die sich als seine Jünger bezeichnen und ihn als ihren Patron erwählten. Seine Hinterlassenschaft, seine Botschaft hat eine Wirkungsgeschichte, die 1700 Jahre überdauert hat. Wozu braucht ein Land einen Schutzpatron? Der Heilige Florian hatte und hat eine identitätsstiftende Bedeutung für das Stift St. Florian, für Gemeinden und Pfarren, die seinen Namen tragen, für die Feuerwehren und für die Kirche von Oberösterreich, die ihn seit 1982 als ihren Hauptpatron verehrt. Das Land Oberösterreich hat ihn in der Sitzung
der Landesregierung vom Heute begehen wir festlich seine Promulgation zum Landespatron, nicht nur weil er der einzige Märtyrer der frühchristlichen Zeit unseres Landes ist, nicht nur weil er der Heilige ist, der am engsten mit dem Land verbunden und im Volk verankert ist - vor allem deswegen, weil seine wesentlichen Tugenden - Bekennertum, Solidarität, Einsatz für den Nächsten, Mut und Zivilcourage - auch für die Menschen im 21. Jahrhundert besonders wichtig sind. Tugenden, die uns nicht abhanden kommen dürfen, die aber immer wieder und gerade heute immer öfter, auch in Gefahr sind. Ich danke allen, die sich schon bisher in der Florianverehrung
und -pflege besonders bemüht haben. Allen voran den Augustiner Chorherren
von Herzlichen Dank posthum Herrn Prälat Eberhart Marckghott, dem ehemaligen Pfarrer und Dechant von Lauriacum, der für den heutigen Tag ein besonderer Wegbereiter war. Danke auch dem verstorbenen genius loci von St. Florian Augustinus Franz Kropfreiter für seine musikalischen Werke zum Florianjahr, die er noch vor seinem Tod vollenden durfte und die heuer im Rahmen des Florianjahres uraufgeführt werden. Ich danke den Vielen, die dieses Florianjahr mitgestalten! Hohe Festversammlung! Mit diesem Wunsch tritt der Beschluss der Oö. Landesregierung zur Erhebung des Heiligen Florians zum Landespatron in Kraft. Ich ersuche nun zur feierlichen Übergabe der Urkunde
an Stift und Diözese die anwesenden Mitglieder der Oö. Landesregierung
und des Oö. Landtagspräsidiums ins Presbyterium zu kommen.
Aufgabe dieses wissenschaftlichen Gespräches war
es, Grunddaten für das Gedenk¬jahr 2004 zu erarbeiten, d. h.
den archäologisch-historischen Befund auszuloten, die Ver-ehrungsgeschichte
des Heiligen aufzuzeigen, aber auch dessen zeitlos-aktueller Bot-schaft
(auch hinsichtlich des Glaubens¬zeugnisses) für die Gegenwart
nachzugehen. Für die archäologisch-historische Disziplin
referierten Univ.-Prof. Dr. Erwin Maria Ruprechts¬berger (Enns-Linz),
Univ.-Prof. Dr. Hartmut Wolff (Passau), Univ.-Prof. DDr. Karl Rehberger
(St. Florian) sowie hinsichtlich der dogmatisch-pastoraltheologischen
Kompetenz Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Reisinger (St. Florian – KTU-Linz),
Univ.-Prof. Dr. Manfred Scheuer (Trier) und Univ.-Prof. Dr. Leopold Neuhold
(Graz).
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